Warum Oberholzheim evangelisch ist

Beide Dörfer, Burgrieden und Oberholzheim gehörten dem Spital Biberach (Burgrieden seit 1466, Oberholzheim zu 2/3).

In Burgrieden übergaben 1420 die Herren von Freiberg den Kirchensatz an das Kloster Heggbach[1], so wurde der Pfarrer in Ausübung des Patronatsrechtes durch das Kloster Heggbach besetzt. Obwohl berichtet ist, dass der Burgriedener Pfarrer nach dem „Bildersturm“ in Biberach (1531) evangelisch predigte[2], wurde Burgrieden nicht evangelisch. Die Stadt Biberach setzte den Befehl des Schmalkaldischen Bundes, die umliegenden Klöster (darunter auch das Kloster Heggbach) einzunehmen und dort die Messe abzuschaffen nicht um, da die Befürchtung bestand damit den Kaiser auf den Plan zu rufen und das ohnehin schon unsichere Biberach zu gefährden.[3] Somit blieb die Ausübung des Patronatsrechts in Burgrieden in katholischer Hand, obwohl der Pfarrer evangelisch predigte. Nach dem Schmalkaldischen Krieg wurde in Biberach ein katholischer Rat eingesetzt, der nach dem Tod des evangelischen Pfarrers in Burgrieden nicht verhinderte, dass ein katholischer Priester als Nachfolger eingesetzt wurde.[4]

In Oberholzheim lag die Collatur bei den Herren von Stein zu Hürbel. 1536 verboten jedoch Bürgermeister und Rat der Stadt Biberach dem Oberholzheimer Pfarrer und Karthäuser-Mönch Ezechiel Jergen von Seussen die Ausübung der katholischen Zeremonien. Dagegen leisteten die Herren von Stein zu Hürbel Widerstand bis schließlich 1544 die Stadt Biberach das Patronat erwarb.[5] 1556 wurde mit Ezechiel Jergen von Seussen der erste evangelische Pfarrer in Oberholzheim ernannt.

In Achstetten wurde 1442 durch eine Dotation der Herren von Freyberg eine eigenständige Pfarrei eingerichtet (nachdem Achstetten vorher von Laupheim aus versorgt wurde). Das Nominationsrecht lag bei den Herren von Freiberg (und später – bis 1803 – bei verschiedenen Adelsfamilien, einschließlich der Grafen Reuttner von Weyl, der heutigen Besitzer des Achstettener Schlosses), das Präsentationsrecht blieb jedoch weiterhin beim Pfarrer von Laupheim bzw. damit beim Abt des Klosters Ochsenhausen, der auch das Präsentationsrecht in Laupheim ausübte.[6]



[1] Königlich-statistisch-topographisches Bureau (Hg.), Beschreibung des Oberamtes Laupheim, Stuttgart, 1856, S.145f.

 

[2] Essich, C.F., Geschichte der Reformation zu Biberach vom Jahr 1517 bis zum Jahr 1650, S.27

 

[3] Essich, C.F., Geschichte der Reformation zu Biberach vom Jahr 1517 bis zum Jahr 1650, S.52.

 

[4] Essich, C.F., Geschichte der Reformation zu Biberach vom Jahr 1517 bis zum Jahr 1650, S.77f.

 

[5] Königlich-statistisch-topographisches Bureau (Hg.), Beschreibung des Oberamtes Laupheim, Stuttgart, 1856, S.210.

 

[6] Königlich-statistisch-topographisches Bureau (Hg.), Beschreibung des Oberamtes Laupheim, Stuttgart, 1856, S.120.